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Wirtschaftskrise und Reisepreise

Keine Frage, die Wirtschaftskrise wirkt sich auch auf die Reisebranche aus. Wer Angst um seinen Arbeitsplatz hat, womöglich gerade nach Arbeit sucht, sorgt sich nicht mehr um Urlaub, denn Reisen ist Luxus. Das gilt selbst dann, wenn man sich vergegenwärtigt, dass in einem hochentwickelten Land wie Deutschland. Reisen ein Phänomen der Massen ist und ein spezialisierte Dienstleistungsbranche mit effizienten Methoden darum bemüht ist, Reisen für jedermann zu produzieren und zu verkaufen. In der Tat gehören Reisen in Deutschland so sehr zum Standard, dass eine gewöhnliche Urlaubspauschalreise in den Warenkorb der Ökonomen aufgenommen wurde. Da liegt sie nun zusammen mit Butter, und Brot und hilft, die Inflation zu messen. Dabei hat sie einiges Gewicht, denn immerhin kostet eine Reise deutlich mehr als die meisten Grundnahrungsmittel.

Wenn also angesichts der Krise die Menschen nicht mehr reisen, dann hat die Preisentwicklung solcher Reisen einen nachhaltigen Effekt auf die Inflationsrate. Tatsächlich kann man beobachten, dass Endverbraucher in Wirklichkeit nicht weniger, sondern eher kostenbewußter oder kürzer reisen. Dabei kommt es zu Verschiebungen bei den bevorzugten Reisezielen. Es wundert also niemanden, wenn Hoteliers in Fernzielen mit leeren Zimmern zu kämpfen haben, während es in der Nähe des sogenannten Quellmarktes noch nicht annähernd so schlimm aussieht. Hoteliers reagieren in der Regel mit deutlichen Preisanpassungen, denn nichts ist schlimmer als ein leerstehendes Hotel. Lieber das Zimmer billig abgegeben und die Chance auf Deckungsbeiträge in gefüllten Restaurants wahren, als überhaupt keine Gäste.

Man darf also davon ausgehen, dass im kommenden Jahr einige Reiseziele deutlich preiswerter zu buchen sein werden, als bis anhin. Die Türkei ist sicher ein Kandidat. Sie war schon immer bekannt für ein gutes Preisleistungsverhältnis, welches jetzt wohl noch besser werden wird. Daß dabei die Qualität nicht auch unter Druck gerät, liegt im Interesse der Reiseveranstalter. Sie handeln mit den Hoteliers die Preise für die Saison aus und wollen natürlich sicher gehen, dass welchem Preis auch immer eine angemessene Leistung gegenübersteht.

Geschäftsreisende reagieren übrigens viel empfindlicher auf fallende Profite. Da sie in der Regel weisungsgebunden reisen, bleiben sie häufig kraft Diktat der Reisekostenmanager zu Hause und schalten stattdessen Videokonferenzen. Entsprechend sind Geschäftshotels viel dramatischer von der Krise betroffen als Urlauberhotels. Preissenkungen führen dann nur sehr bedingt zu einer besseren Kapazitätsauslastung.

Eine besondere Situation haben wir übrigens in Deutschland. Soeben wurde das Wachstumsförderungsgesetz vom Bundestag beschlossen. Es beinhaltet eine Senkung der Mehrwertsteuer für Hotels auf 7%. Denkbar wäre, dass nun die Hoteliers diese Senkung an die Gäste weiterreichen. Sicher wird das auch hier und da passieren, aber gerade in den Geschäftshotels erscheint die Preissenkung unwahrscheinlich. Vielmehr bleiben die Preise stabil, und die Differenz wandert auf direktem Weg in die Taschen der Hoteliers. So sehen Steuergeschenke aus.

Fröhliche Weihnachten

Vertrauen in die Onlinebuchung von Reisen

Vertrauen. Um nichts weniger geht es den Bestagern, also Menschen, die auf einige Lebensjahre zurückblicken und daher über ein gerüttelt Maß an Erfahrungen verfügen. Von Zielgruppe wird gerne gesprochen, was allerdings eine unnötige Distanz herstellt. Zudem entsteht der Eindruck, Vertrauen sei für andere Leute kein Thema. Aber der Reihe nach.

DMC digital media hatte bei eResult eine Studie über das Umsatzpotential bei über 55-jährigen beauftragt. Es ging um die hohe Reisebereitschaft dieser Gruppe und ihre wachsende Neigung, Reisen im Internet zu recherchieren und zu buchen. Einzelheiten finden sich hier http://www.internetworld.de/Nachrichten/Zahlen-Studien/Zielgruppe-reiselustige-Bestager-23132.html Wir denken, man kann zusammenfassen, dass sich die Gruppe 55+ zwischen den Polen Angebotsvielfalt und Vertrauen bewegt. Angebotsvielfalt hat dabei verschiedene Facetten wie z.B. der Preis an sich, Angebotstransparenz, Verfügbarkeit von Schnäppchen.  Vertrauen hingegen setzte sich zusammen aus persönlichen Ansprechpartnern und lokaler Nähe.

Bestager legen also tendenziell Wert auf eine vertrauensvolle Beziehung zum Reisebüro, ohne deswegen das Internet als Werkzeug für Informationsbeschaffung und Recherche abzulehnen. Läuft da etwas falsch? Reine Online-Reisebüros haben den ökonomischen Vorteil, dass sie beliebig skalierbar sind, keine physischen Räumlichkeiten benötigen und sich somit sehr flexibel der Nachfrage anpassen können. Dennoch scheint es ihnen nicht zu gelingen, diesen Vorteil bei den Bestagern zu kapitalisieren. Würden diese sonst nach der Webrecherche im Reisebüro buchen? Noch dazu wo die offline-Preise wegen geringerer Transparenz und der höheren Betriebskosten nicht eben die niedrigsten sind?

Die Nähe und der persönliche Kontakt stiften Vertrauen. Der Kunde bucht also immer noch (oder schon wieder?) offline, wenn er dabei nur ein gutes Gefühl hat. Das muss man nicht weiter hinterfragen, weil es nachvollziehbar ist. Wer aber sagt, dass das Offline-Reisebüro nicht geradeso günstig ist wie das Online-Reisebüro? Tatsächlich schöpfen die Reisebüros unabhängig davon, ob sie sich dem Kunden real oder virtuell präsentieren, weitgehend aus den gleichen Angebotstöpfen.

Wahrscheinlich liegt die Chance darin, den Bestagern – und allen anderen Menschen auch -, klarzumachen, dass das physische Reisebüro in Sachen Preis und Angebotsvielfalt absolut konkurrenzfähig ist, aber beim Vertrauen einen großen Vorsprung hat. Haben es die physischen Reisebüros nicht geradezu verpasst, die vermeintliche Schwäche beim Preis zurechtzurücken und die eigene Preiswürdigkeit zu betonen?  Von den hunderten reinen Onlinereisebüros haben die wenigsten etwas zu bieten, was es offline nicht besser und preiswerter gäbe.

Sicher eine Herausforderung fürs Marketing, wenn auch keine besonders schwere: Die Kunden brauchen eine Internetplattform für die Recherche. Jeder kann dort buchen, der will. Allen anderen wird der Weg in ein angeschlossenes Reisebüro geboten.  Wer das Reisebüro an der Ecke durch eine verlässliche Reisewebsite stärkt, kann hier nur gewinnen. Nicht nur Vertrauen. Und nicht nur bei den Bestagern.